Sind wir auf dem richtigen Weg zur inklusiven Bildungslandschaft in NRW?

Mit der Ratifizierung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung durch Deutschland im Jahr 2009 erfolgte eine breite gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf das Thema Inklusion. Parteiübergreifend besteht auch heute noch der Konsens, dass unsere Gesellschaft von der Verschiedenheit lebt und die Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben zu fördern ist.

© Christian Schwier – Fotolia.com

Vor allem im Bildungsbereich hat die UN-Konvention der Forderung nach einer Integration behinderter Kinder in Regelschulen neuen Auftrieb gegeben. Bereits vor der Ratifizierung der UN-Konvention erfolgte in einigen Schulen der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Der größte Teil der Schüler mit Förderbedarf wird derzeit jedoch noch in Förderschulen unterrichtet. Langfristig hat die UN-Konvention das Ziel, nahezu alle Schüler mit sonderpädagogischen Förderbedarf gemeinsam mit anderen Kindern in einer Schule zu unterrichten.

Bei aller Diskussion zur Inklusion darf nicht vergessen werden, dass in unseren Förderschulen bisher eine sehr gute Arbeit geleistet wurde. Mit viel persönlichem Einsatz der Lehrerschaft wurde den Schülern ein gutes Lernklima geboten um die individuellen Fähigkeiten der Kinder zu fördern.

Da Bildung Aufgabe der Bundesländer ist, erfolgt die Umsetzung der UN-Konvention auf Länderebene. Aus diesem Grund wird es in der Umsetzung große Unterschiede in den einzelnen Bundesländern geben.

© Zerbor - Fotolia.com
© Zerbor – Fotolia.com

Im September 2012 hat das NRW-Bildungsministerium die ersten Referentenentwürfe für die zukünftigen gesetzlichen Regelungen veröffentlicht. Der derzeitige Entwurf der „Verordnung über Schulgrößen der Förderschulen und der Schulen für Kranke“ hat vor allem für Förderschulen im ländlich strukturierten Bereich enorme Auswirkungen. Im Gegensatz der bisherigen Regelung enthält der aktuelle Entwurf nicht mehr dieMöglichkeit der  Ausnahmeregelung, dass die Gesamtzahl der Schüler bis zu 50% unterschritten werden kann. Sollte die Verordnung in dieser Fassung am 01.08.2013 in Kraft treten, können Förderschulen die zu diesem Zeitpunkt die Mindestgröße nicht erreichen ab dem 01.08.2014 keine Schüler mehr aufnehmen.

Mit dieser radikalen Einführung der Inklusion, nimmt die Rot-Grüne Landesregierung den Tod der ländlichen Förderschulen in Kauf. Welches Konzept die Landesregierung bei der Einführung einer inklusiven Bildungslandschaft verfolgt, wird einen noch nicht richtig klar.

Ich bin der Meinung, das es für alle Beteiligten besser wäre, den Weg zur inklusiven Bildungslandschaft in einem längeren Zeitraum zu beschreiten. Wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, dass wir unserer Förderschulen mit Gewalt „ausbluten“ lassen.

Da bereits von einigen Verbänden starke Kritik an den aktuellen Referentenentwürfen geäußert wurde, bleibt zu hoffen das bis zur Beschlussfassung nachgebessert wird.

Bei aller Diskussion zum Thema darf am Ende das Wohl der Betroffenen nicht vergessen werden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *